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Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!                               Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.
           Evangelisches Gesangbuch Nr. 395



Seit mehr als einem Jahr wissen wir es, nun wird das Wissen Wirklichkeit: Am Sonntag, dem 30. Oktober 2005, wird unsere Bischöfin Maria Jepsen die Rimbertkirche entwidmen. Nach mehr als 42 Jahren geht damit eine Epoche zu Ende.
Die Rimbertkirche wurde am 4. August 1963 durch Landespropst Hasselmann feierlich eingeweiht. Über 7000 Gemeindeglieder waren stolz auf ihr neues Wahrzeichen, welches sichtbarer Ausdruck ihrer Unabhängigkeit war. Seit dem 2. Weltkrieg waren ständig neue Menschen in den Norden Billstedts gezogen, aus den Laubenkolonien wurden feste Siedlungshäuser. Die Kirchengemeinde war Anfang der 50er Jahre von der Mutterkirche Schiffbek abgetrennt worden. Der emsige und den Menschen sehr zugewandte Pastor Dietrich Peters hatte den Bau der Rimbertkirche vorangetrieben und so war die Einweihung Abschluss und Höhepunkt der Aufbauphase.
In den Jahren ihres Bestehens ist die Rimbertkirche Schauplatz unzähliger Gottesdienste gewesen. Mehr als eine Generation wurde in ihr getauft, konfirmiert und verheiratet. 1995 konnte die Pfeiffenorgel in Betrieb genommen werden.
Die idyllische Lage und die familiäre Atmosphäre innerhalb der Kirchengemeinde haben dazu beigetragen, dass viele Menschen die Rimbertkirche als ihre Heimat empfunden haben. Die Gemeinschaft und Hilfe bei wöchentlichen oder monatlichen Kreisen gehören genauso dazu wie die kleinen und großen Feste, nicht zuletzt auch der Martinsmarkt in der ausgeräumten Rimbertkirche.
Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Heute gehören nur noch 25% der Wohnbevölkerung zu unserer Kirche (1963 waren es mehr als 60%), und so ist die Aufgabe der Rimbertkirche unumgänglich. Das ist traurig, aber auch ein Grund zur Dankbarkeit für die vielen erfüllten Jahre.
Wer sich im Stillen von der Rimbertkirche verabschieden will, kann dies am Samstag, dem 22. Oktober von 10-20 Uhr tun. Am 23. Oktober feiern wir einen Abschiedsgottesdienst mit Abendmahl in der Rimbertkirche. Wir haben dazu alle ehemaligen PastorInnen, MitarbeiterInnen und Kirchenvor-steherInnen eingeladen und wollen anschließend gemeinsam Mittag essen.
Am 30. Oktober wird die Rimbertkirche entwidmet und wir ziehen gemeinsam zur umgebauten Philippuskirche, um sie wieder in Betrieb zu nehmen.            Ihr      Otmar Krause



Predittext:

Ich und meine Freunde, wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr Christen aus Korinth seid Gottes Ackerland oder Gottes Baustelle.

Gott hat mir in seiner Freundlichkeit den Auftrag gegeben, das Fundament zu legen. Und ich habe das so weise getan, wie es ein sorgfältiger Baumeister tut. Ein anderer baut daran weiter und muß weiterbauen. Nun sehe jede und jeder zu, wie er oder sie daran weiterbaue. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, und dieser Grund ist: Jesus Christus.

Wißt ihr nicht, dass ihr, also ihr selbst und eure Gemeinschaft, Gottes Tempel seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?

Wer immer Gottes Tempel vernichtet, den wird Gott vernichten! Denn Gottes Tempel ist heilig und unantastbar– und dieser Tempel seid ihr.    1 Korinther 3,9-11+16-1


Liebe Gemeinde!

Ihr Christinnen und Christen seid Gottes Tempel, ihr seid Gottes Ackerland und Gottes Baustelle, Baumeister.

Paulus gebraucht in seinem Brief an die Christen in Korinth Bilder aus der Bau- und Agrarwirtschaft. Der Mensch als Tempel, der Mensch als Ackerland, als Baustelle, als Baumeister.

Das mutet auf den ersten Blick merkwürdig und statisch an, wenn wir es aber aus der Sicht Gottes betrachten, stimmt es: Gottes Kirche, Jesu Kirche ist da, wo Menschen sind, die an ihn glauben, die von ihm erzählen, die aus seinem Geist leben und handeln. Dazu braucht es weder besondere Räume und Bauten noch besonders geweihte Menschen oder Gegenstände. Das ist nicht wichtig und auch nicht notwendig, es ist Beiwerk.

Wichtig allein ist die befreiende und heil-machende Botschaft von der Zugewandtheit und Menschenfreundlichkeit Gottes, wie Jesus sie gelebt und gelehrt hat. Gott ist mit mir und für mich, im Leben und auch darüber hinaus.

Von daher sind die Vergleiche stimmig, genauso wie der Schluß, den Paulus daraus zieht: Einzig die Menschen sind heilig und unantastbar, alles andere nicht.Das war die Sicht vor 1900 Jahren, aus der Zeit der Entstehung des Christentums. Diese phänomenal einfache wie geniale Einsicht ist aus der damaligen Situation heraus entstanden und Paulus hat hier sicherlich aus der Not eine Tugend gemacht: Die Christen waren damals eine verschwindend geringe Minderheit innerhalb des römischen Reiches, noch dazu in Opposition zur geltenden Staatreligion, welche die Kaiser als Stellvertreter Gottes betrachtete und entsprechende Anbetung verlangte. Es gab keine Kirchengebäude und auch keine verfaßte Kirche mit Pastoren oder Bischöfen. Die christliche Botschaft bahnte sich ihrer Weg durch Mund-zu-Mund-Propaganda und knüpfte an die jeweilige Lebenssituation der angesprochenen Menschen an. Die gemeinschaftsbildenden Versammlungen fanden je nach Möglichkeit in den Wohnhäusern, an verborgenen Plätzen oder im Freien statt. Kein Wunder also, dass Paulus die Menschen als Tempel, Ackerland, Baustelle und Baumeister der Sache Gottes betrachtet.

Auch heute im Jahre 2005 n. Chr. gilt diese richtige theologische Einsicht. Aber die sich über die Jahrhunderte hinweg ständige veränderten Lebensbedingungen haben ein anderes Lebensgefühl erzeugt, mit dem wir hier heute sitzen. Um unseren christlichen Glauben zu leben und zu fühlen, ist es für viele Menschen notwendig, eine Kirche zu haben.

So war und ist es auch mit unserer Rimbertkirche. „Wir brauchen eine Kirche" sagten sich die Menschen Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, nachdem die Kirchengemeinde gerade selbständig geworden war. Und sie setzten alles daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen. Die äußeren Bedingungen ließen es zu: Ständig zogen neue Menschen in den Stadtteil, die meisten von ihnen waren in der Kirche und so entstand die Rimbertkirche als Gotteshaus und architektonischer Glanzpunkt der Vogelsiedlung, weithin sichtbar mit ihrem 26m hohen Kirchturm.

Schnell wurde die Rimbertkirche zur geistlichen Heimat vielen Menschen. manchmal sogar zum Familienersatz. Neben der vorzüglichen Innenarchitektur der Kirche hat die familiäre Atmosphäre, die immer Kennzeichen der Rimbertgemeinde gewesen ist, viel zu ihrer warmen Ausstrahlung beigetragen. Die Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen gaben den Menschen des Stadtteils die Gewißheit: Gott ist bei uns. Die Rimbertkirche wurde punktueller Lebensbegleiter und zugleich angemessener Schauplatz für die Feier der Wendepunkte des Lebens: Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen.

Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben. Die stetigen Kirchenaustritte und seit 1992 ein real sinkendes Kirchensteueraufkommen sind die Langzeitkomponenten, die 2. Stufe der Steuerreform 2003 sowie die bis heute anhaltende Konjunkturschwäche mit vielen, vielen Arbeitslosen schufen eine Situation, die zur Zerreißprobe in den Tempeln Gottes, d. h. bei den derzeit amtierenden Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern, führte. Sie stellten sich ihrer Verantwortung und trafen eine Entscheidung, um zumindest das mittelfristige Überleben unserer Kirchengemeinde Philippus und Rimbert zu ermöglichen. Und diese Entscheidung beinhaltet die Aufgabe des Standortes Sturmvogelweg mit der Rimbertkirche, dem Pastorat und dem Gemeindehaus.

Die Zerreißprobe in den Tempeln Gottes ist die Entscheidung zwischen Herz und Verstand: auf der einen Seite die hard facts, die Sachlage, das Wissen, zu dieser Entscheidung keine wirkliche Alternative zu haben, und auf der anderen Seite das Herz: die guten Erinnerungen an diesen spirituellen Ort, wie es wohl keinen zweiten in Billstedt gibt.

Die Traurigkeit über die Entscheidung wird von allen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern geteilt, ist ein Teil von ihnen. Und dennoch keine Lösung, die uns eine Zukunftsperspektive eröffnet . Ein langjähriger Kirchenvorsteher, der jetzt nicht mehr im Kirchenvorstand ist, fasste seine Trauer und seine Empfindungen folgerdermaßen zusammen: „Ich bin froh, daß ich nicht mehr im Kirchenvorstand bin. Aber ich fürchte, mir wäre auch keine tragbare Alternative eingefallen."

Über der Trauer, zuweilen auch der Wut oder gar Bitterniss, vergessen wir häufig die guten Seiten, den Dank. 51.662 Tage, also 42 Jahre, 2 Monate und 26 Tage, durften wir die Rimbertkirche nutzen, von ihrer Einweihung am 4. August 1963 bis zu ihrer Entwidmung am kommenden Sonntag. Das war und ist schön, das war und ist gut, es hat unser Leben bereichert, ein Geschenk, welches wir aus Gottes Hand nehmen durften.

Wie unser Weg als Kirchengemeinde Philippus und Rimbert weitergehen wird, wissen wir nicht, dies liegt in Gottes Hand. Die umgebaute Philippuskirche, in der wir am kommenden Sonntag den Neuanfang machen, ist unser neues gemeindliches Zuhause. Es wird die Nagelprobe für unseren Fusionsprozeß. Ob sie gelingen wird, hängt von den Tempeln Gottes ab, die wir alle sind. Das Fundament ist in Jesus Christus gelegt, jetzt liegt das Weitere in unserer Verantwortung. Wie sagte es Paulus doch so treffend?: „Nun sehe jede und jeder zu, wie sie oder er daran weiterbaue."

Dies macht nur Sinn, wenn wir es gemeinsam tun. Dazu helfe uns Gott.

Amen.

Predigt Pastor Otmar Krause



30. Oktober 2006
Predigt in der Rimbertkirche, Hamburg
Lukas 24, 13-35


Liebe Gemeinde, die Worte, die am heutigen Sonntag nach unserer Tradition gelesen und gebetet werden, sie sind machtvoll und erhaben. „Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, dem sei Ehre und ewige Macht!“ jubelt der Wochenspruch, und Losung und Lehrtext sagen: „Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren“, aus dem Psalter und aus dem Markusevangelium: „Das Evangelium muß zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.“ Die Größe Gottes, die weltweite Verkündigung und Verehrung Gottes kommen zur Sprache, passend zu dem vorhin gelesenen Evangeliumsabschnitt von den Emmaus-Jüngern, die den auferstandenen Herrn erkannt haben und darüber nicht schweigen können.

Von Gott zu erzählen, ihn anzubeten, seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu feiern, werden wir aufgerufen, und nun heißt es doch: Abschied zu nehmen von dieser Kirche, die erst vor 42 Jahren geweiht, in den Dienst gestellt wurde. Welch unterschiedliche, welch gegensätzliche Empfindungen und Aussagen! Wer kann das zusammenbringen, wer kann das in seinem Herzen begreifen ?

Haben wir nicht genug Glauben und Hoffnung, dass wir um der Finanzen willen einen Ort, an dem die Ehre Gottes wohnt, aufgeben ? Dürfen wir einen solchen Schritt wagen ? Sind wir Toren, Menschen eines trägen, kleingläubigen Herzens, die sich verantwortungslos zu diesem Schritt entschlossen haben ? Haben wir leichtfertig zu dieser schnellen Lösung gegriffen, uns von der Reformation unserer Kirche längst verabschiedet ?

Vorwürfe und Zweifel wurden und werden laut, und da ist es gut, sich von biblischen Texten ansprechen und ermahnen zu lassen. Nein, die Kirchengemeinde hat nicht beschlossen, das Evangelium zu verkürzen oder zu verbannen. Der Kirchenvorstand hat sich zu dem Beschluß, diese Kirche zu schließen, durchgerungen, eben deshalb, weil hier die Verkündigung Jesu Christi und die Anbetung Gottes weiterhin geschehen sollen, mit all den Kräften, die dieser Gemeinde zur Verfügung stehen.

Auf dem Emmausweg sind Sie unterwegs, mit all den Fragen und Problemen, die heute bedrängen, den zurückgehenden Finanzen und der kleiner gewordenen Ge-meinde, mit der engeren Personaldecke und den notwendigen Unterhaltungsmaß-nahmen. Sie haben hin und her beraten, in Sitzungen, aber auch in Gebet und Gottesdienst, sie haben sich um Lösungen bemüht, und immer war die Frage: wie können wir hier verantwortungsvoll heute als Gemeinde das Evangelium weitersagen, ohne von den quälenden Finanzfragen zermürbt zu werden ?

Der Weg ist lang gewesen, schmerzhaft, und die Entscheidung hat vielen weh, man-chen sehr weh getan. Und nun ist es wichtig, das Herz nicht stocken zu lassen, nicht zu verstocken, sondern es offen zu halten für die gute Nachricht, dass Jesus aufer-standen ist, dass er hier weiterhin erfahren wird, dass die Gottesdienste nicht einfach wegfallen. Nein, sie werden weiter gefeiert werden, ganz in der Nähe, in der Philip-puskirche, die auf den Tag genau heute vor 50 Jahren Grundsteinlegung feierte und der wir heute 50 gute, gesicherte, gesegnete Jahre wünschen. Dort wird die Gemeinde sich gemeinsam gottesdienstlich versammeln, heute und weiterhin, Sonntag für Sonntag und darüberhinaus, und die Gemeindeglieder werden gestärkt und ermutigt von dort aufbrechen, so schenke es Gott, immer wieder auf-brechen, um allen zu erzählen, was sie im Abendmahl, bei der Taufe, in den Sonn-tags- und Festtagsgottesdiensten, in den Amtshandlungen erfahren haben.

Und hier, an dieser Stelle soll, so der Wunsch, eine Seniorenwohnanlage entstehen, ein Ort, an dem Menschen ein gutes Zuhause haben, an dem auch das Gedenken an die Rimbertkirche ihren Platz bekommen soll, mit diakonisch-geistlichem Akzent.

Die ersten Jünger, die ersten Gemeinden hatten noch keine Kirchbauten, - daran haben wir uns zu erinnern, wir alle -, sie feierten ihren Glauben in ihren eigenen Häu-sern, und sie waren doch voller Hoffnung und Glaubenskraft, ja, viel mehr als wir heute. Für die Verkündigung des Evangeliums ist letztlich nicht mehr notwendig als Men-schen, deren Herzen brennen, als die Bibel, die uns anspricht, als unsere Gebete und Gespräche über das, was Gott uns anvertraut.

So schön Kirchen sind, alte und neue, große und kleine, vertraute und uns fremde, Kirchen sind keine Gebäude, die die Weitergabe des Evangeliums garantieren und ersetzen. Dafür brauchen wir Menschen, die aus dem Glauben leben und von ihm erzählen. Alte und junge Menschen, in den Familien, in ihren Wohnungen, am Ar-beitsplatz, auch im gesellschaftlich-politischem Engagement.

Manchmal wird das vergessen und die Weitergabe des Glaubens delegiert an die hauptamtlichen Mitarbeitenden der Kirche, an Pastoren, auch an die ehrenamtlich Engagierten im Kirchenvorstand und der Gemeindearbeit. Doch dem ist zu widersprechen, das ist zu wenig, wenn nur sie verantwortlich ge-macht werden für die Glaubensweitergabe. Das wäre biblisch eine schlimme Veren-gung. Das Evangelium ist doch für alle da, dass sie es hören und annehmen und weiterge-ben, jeder und jede, mit theologischer Schärfe oder persönlicher schlichter Frömmig-keit, in traditioneller oder zeitgemäßer Weise, vielleicht auch stammelnd und mehr schweigend, aber so, dass die anderen spüren, aus welcher Kraft, mit welcher Hoff-nung wir leben.

Die beiden Emmausjünger waren Männer des Volkes. Besondere Begabungen und Fähigkeiten werden uns von ihnen nicht genannt. Sie hatten von Jesus gehört, ihm vertraut, waren berührt von seiner Verkündigung, - mehr wissen wir von ihnen nicht. Aber das war und ist auch ausreichend: in ihrem Haus, einer wohl eher einfachen Hütte, erkennen sie, dass Jesus nicht tot ist, dass der Glaube an ihn weitergeht, dass sie diesen Glauben weiterzugeben haben und weitergeben können. Und sie brechen auf, kehren um nach Jerusalem, wo sie den anderen von ihrer Be-gegnung und Gemeinschaft mit Jesus erzählen.

„Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen“, so betete Salomo bei der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem, und er wies darauf hin, dass es wichtig ist, dass die Menschen vom Herzen her Gott anrufen, und er fuhr fort in seinem Gebet: „und wenn du, Gott, hörst das Gebet und Flehen deiner Men-schen, wenn du das hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.“

Liebe Gemeinde, der erste und der zweite Tempel in Jerusalem wurden zerstört, viele Kirche wurden im Laufe der Kirchengeschichte, auch in Hamburg, zerstört und aufgegeben, aber die Menschen hörten nicht auf, Gott anzurufen, ihm zu danken, ihn anzuflehen, ihn zu ehren, und Gott hörte all ihre Worte und ihr Flehen in seiner Woh-nung, im Himmel, und war ihnen gnädig.

Die Emmausjünger, die in ihrem Haus Jesus als den Auferstandenen erkannten, bauten nicht als erstes eine Kirche oder einen Altar, wie Noah es tat nach dem Schrecken der Sintflut. Sie ließen alles stehen und liegen und machten sich auf den Weg, um ihre Begegnung mit Jesus den anderen mitzuteilen und ihnen Gebet und Mahlfeier ans Herz zu legen. Darin gibt sich Jesus bis heute in besonderer Weise zu erkennen und erfahren.

So bedrückend also die Aufgabe der Rimbertkirche ist, - und ich verstehe Ihren Schmerz sehr gut -, so sehr haben wir uns an die Worte der Bibel zu halten, an sie zu klammern, damit wir von ihnen erfüllt und gedrängt werden, weiterzugeben, was wir erfahren haben. Wir haben mitzuteilen, weiterzugeben, was uns anvertraut ist, und wir haben manchmal, viel häufiger als wir meinen, vertraute Räume zu verlassen, symbolisch und konkret, uns auf den Weg zu begeben, hin zu den Menschen, die von Jesu Auf-erstehung nichts wissen, daran nicht glauben. Ja, wir, Sie haben wie die Emmausjünger weiterzugeben, was Sie gehört und ge-spürt in diesem Raum Ihrer Rimbertkirche, was Sie in den letzten Jahren, Jahrzehn-ten hier für Ihren Glauben erhalten haben, damit die Menschen hier in Nordbillstedt und die unter allen Völkern im Herzen berührt werden und sich in ihrem Leben an Gottes Zusage seiner Treue wenden, daran festhalten in alle Ewigkeit.

Wenn Ihnen das gelingt, mit Gottes Hilfe, dann wird österlicher Aufbruch und refor-matorischer Schwung hier spürbar sein und Tränen und Sorgenfalten nehmen. Dann wird diese Glaubenskraft nicht nur mit der Zeit hinwegtrösten über den Verlust dieses Kirchengebäudes, nein, dann wird das Gotteslob hier zur Sprache kommen, fröhlich und hoffnungsreich. Dann wird Jesus Christus hier weiterhin und verstärkt als der erfahren und erkannt werden, der wahrhaftig auferstanden ist, dem Ehre und ewige Macht gebührt. Amen



Wer abschaltet, sieht nicht mehr, was kommt. Er hat keine Verbindung mehr. Wir glauben, dass es sich lohnt, die Verbindung mit unserer Gemeinde zu halten.

In diesen Tagen des Abschieds ist die Trauer über den Verlust der Rimbertkirche noch einmal besonders groß. Manche möchten am liebsten enttäuscht und wütend die Tür hinter sich zuschlagen und die Verbindung zur Gemeinde abbrechen. Wir wünschen uns manchmal, die Zeit einfach anhalten zu können, um das zu bewahren, was uns kostbar und vertraut ist.

Aber die Zeit läuft weiter. Wir können Erinnerungen bewahren, aber die Zeit nicht anhalten.

Es ist wichtig, dass wir uns nach einem Abschied auch wieder auf Neues einlassen. Denn "jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben".

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!

Wir müssen mit deutlich weniger Geld auskommen. Deshalb werden wir unsere Kräfte bündeln und unser Gemeindeleben auf die Manshardtstrasse mit der Philippuskirche konzentrieren. Um die Räume den neuen Gegebenheiten und Herausforderungen anzupassen, sind momentan umfangreiche Umbaumaßnahmen im Gange. Die Kirche wird heller und flexibler gestaltet. Das bewegliche Gestühl ermöglicht uns eine verschiedenartige zusätzliche Nutzung der Kirche, z. B. für Kinderkirche, Konzerte, Kirchenkino und Gemeindefeste. Am 6. November findet zum Auftakt der traditionelle Martinsmarkt in den neuen Räumen der Philippuskirche statt, und das erste Konzert schon am 30. Oktober. Wichtige Symbole aus der Rimbertkirche, wie das Taufbecken, das Kreuz und voraussichtlich auch die Orgel werden wir mit in die Philippuskirche nehmen.

Alle Gruppen und Kreise aus dem Sturmvogelweg werden hier eine neue Heimat finden können.

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!

Auf dem Gelände der Philippuskirche, mit der Kindertagesstätte Arche Noah, der Bücherei, dem Seniorentreff, den neuen Gruppenräumen und dem Kirchenbüro bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Begegnung und Gemeinschaft. Auch für neue Projekte wird es Raum geben. Bringen Sie Ihre Gaben und Ihre Interessen ein. Am 11. Februar 2006 gibt es dazu eine zweite Zukunftswerkstatt. Gemeinsam mit Ihnen und euch wollen wir unsere Gemeinde mit Leben füllen.

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!

Am 30. Oktober ziehen wir nach der Entwidmung der Rimbertkirche weiter zur Philippuskirche. Dort beschließen wir den Gottesdienst mit der gemeinsamen Feier des Heiligen Abendmahls. Besonders das Abendmahl verbindet uns als Gemeinde miteinander und ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Der Abschied von Rimbert macht traurig, aber wir dürfen uns auch freuen auf das, was sich für unsere Gemeinde an neuen Möglichkeiten auf tut. Gemeinsam sind wir unterwegs und es ist gut, wenn wir dabei zusammenhalten und uns gegenseitig stärken. 

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!
                                                                                                    Bettina Schweikle



Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!                                                                                                                                                        von Hermann Hesse



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