5 Jahre Projektpfarrstelle „Wandel in der Trauerkultur"


5 Jahre Projektpfarrstelle „Wandel in der Trauerkultur"

Es war von Anfang an klar: mein Projekt dauert 5 Jahre...doch dass es nun so sang und klanglos zu Ende geht, damit habe ich Anfang März noch nicht gerechnet! Das Corona-Virus hat meinen Abschiedsprozess -wahrscheinlich nachhaltig- verändert. Anfang März schrieb ich noch für den Gemeindebrief, der dann nie erschien, weil alle Veranstaltungen darin abgesagt waren: „Nun wo das Ende nah ist, fühlt es sich doch merkwürdig an. Vor allen Dingen viel zu kurz! Ich hätte noch so viele Ideen, aber nun heißt es, Abschied nehmen. Und das nicht nur von diesem besonderen Projekt, das mir inhaltlich viel Freude bereitet hat, sondern von meiner Zeit als Pastorin überhaupt. Denn das Ende des Projektes ist auch der Anfang meiner Pensionierung. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“ schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Na, ob dem Ruhestand so ein Zauber innewohnen wird? Es wühlt mich schon auf, dass ich nun in meinen letzten Lebensabschnitt eintrete. Und wieder fällt mir Hesses Gedicht ein, indem es weiter heißt: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne trauern in andre, neue Bindungen zu geben.“ Ja, alt werden ist nichts für Feiglinge. Mut gehört dazu. Und trauern auch. Die alltäglichen Zipperlein werden mehr werden, liebe Menschen um mich rum werden sterben. 5 Jahre lang habe ich Menschen, die genau mittendrin in solchen Lebensprozessen stecken, begleitet. Und nun trete ich selber ein in das, was Psychologen „abschiedliches Leben“ nennen. Ich habe noch viele Ideen und freue mich über jeden gesunden Tag, den Gott mir schenkt.“

Nun hat dieser letzte Satz eine ungeheuer brisante Relevanz: ich bleibe zu Haus, gehöre zur Risikogruppe, bin gesund und hoffe, es zu bleiben! Eher als gedacht bin ich im Ruhestand gelandet: alle Veranstaltungen im Rahmen der Trauerkultur fallen aus: die Friedhofskapellen sind geschlossen, Spaziergänge mit mehreren Menschen nicht mehr erlaubt. Palmarum (5.4.) sollte mein letzter Gottesdienst in der Philippuskirche sein, nun war er schon am 1. März, ohne dass es eine/r gemerkt hätte. Auch mir war es ja nicht bewusst! Ein schleichender Abschied geschuldet dieser herausfordernden Zeit, die unser aller Leben auf den Kopf stellt. Ich hoffe, es geht Ihnen gut und Sie meistern die Mühen des Alltags mit Hilfe von Nachbarn, Freunden, Familie – wie auch immer! 

Gerne hätte ich Sie alle zu meinem Abschieds- und Entpflichtungsgottesdienst am Himmelfahrtstag eingeladen, aber der findet nun in ganz kleinem Kreise statt (10 bis 12 Leute) und ich konnte nur wenige Angehörige, Kolleg*innen und Freund*innen dazu einladen. Es geht ja nicht nur das Trauerprojekt zu Ende, sondern 37 Jahre im Pfarramt: von Eimsbüttel nach Schottland, von dort nach Barsbüttel und dann zu Ihnen. Eine erfüllte Zeit, mit Höhen und Tiefen und vollgepackt mit Ideen und Engagement. Ich bin immer gern Pastorin gewesen und hatte mir mein Ausscheiden aus dem Amt schon anders vorgestellt! Z.Zt. ist noch nicht einmal sicher, ob wir nach dem Gottesdienst irgendwo einkehren können  (die Stadt HH gibt nächste Woche bekannt, ob und wann die Gastronomie wieder aufmachen kann). 

So bleibt mir nur, auf diesem Wege von Ihnen Abschied zu nehmen, mich zu bedanken für viele gute und berührende Begegnungen und Ihnen alles Gute und Gottes Segen zu wünschen für alles was kommt!

Bleiben Sie gesund und behütet, 
Herzlichst Ihre Pastorin Sabine Erler